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Das richtige Maß III

Feuerwerk am Hafen

Zeit vergeht. Einen Mittag auf warmen Steinen, die Fingerspitzen in kühles Flusswasser getaucht. Zeit vergeht. Schaukeln in der Schwerelosigkeit, hoch oben in den Bergen. Zeit vergeht. Ein Einheit Unterlagen wälzen, Behördengänge, Anrufe, Mails schreiben. Erwachsensein, Bäh. Briefumschläge fertig. Briefmarke drauf. Weg damit.

Zeit vergeht. Außergewöhnliche Gebäudefassaden. Fischersdorfe. Ein Konzert an der Küste. Immer ein bis drei Lehrbücher dabei. Sie werden immer seltener aufgeschlagen. Zeit vergeht.

Ich nehme die Sachen in Angriff, die ich schon länger in Angriff nehmen wollte. Zeit vergeht. Noch immer nicht das richtige Maß an Distanz. Aber es wird. Zeit vergeht.

Die Hälfte meiner Freunde schiebt, die andere schreibt ihr M1 jetzt. 

Ich beobachte, wie einige der Letztgenannten lange relativ entspannt auf die akute Prügungslage reagieren. 

,,Ich gebe halt einfach mein Bestes, abends fahre ich dennoch an den See oder mache was für mich. Ich bin zwar bei meinem Lernplan hinterher, aber den meisten, mit denen ich mich unterhalte, geht es genauso. Ich hoffe, das noch aufholen zu können.“ 

Andere kämpfen mit mehr Selbstzweifeln. 

,,Ich habe heute die Lernstrategie verfolgt, dass ich zuerst die Karteikarten……und das Kreuzen….und die Anki-Karten…..Ach, ich habe das Gefühl, mir fehlt noch die richtige Strategie. Ich verwerfe zu häufig Ansätze. Seufz. Ob das wird? Vielleicht schreibe ich ja mit dir im Frühjahr, Audrey.”

Zeit vergeht. Das Stresslevel meiner Freunde steigt. Der Brustkorb fühlt sich enger an. Die Nackenschmerzen intensivieren sich. 

Ich will nicht in ihrer Haut stecken.

Mir kommt mein persönliches Hadern wie der schiere Luxus vor, verglichen mit den M1lern.

Zeit vergeht. Ich nähere mich meinen Zielen an. 

,,Spontantrip zum Bodensee, kommst du mit”

Warum nicht? Was hält mich davon ab?

Zeit vergeht. Am Bodensee nicht weniger schnell. Gelegentlich nerve ich meine Nicht-Mediziner-Freunde mit medizinischen Fakten. Nur ein Buch mit dabei, am See.

Ich würde keinen Blick hineinwagen.

Seefestival. Wir sitzen auf dem Dach eines Parkhauses und lassen die Beine baumeln. Wir betrachten ein Spektakel. Sind ergriffen von den Druckwellen eines gigantischen Feuerwerks. Es ist das beeindruckendste, das ich bis dato sehen durfte. Zeit vergeht. 

Wir staunen. Im Moment, im Hier und Jetzt. Glücklich. 

Was hält dich davon ab, glücklich zu sein?

Einige Monate ist es her, da habe ich mit einer Kommilitonin über Regenwetter philosophiert.

,,Da bekomme ich Lust einfach die Regenstiefel anzuziehen und einfach von Pfütze zu Pfütze zu springen. Wie als Kleinkind. Damals hat man gewusst, wie man es anstellen sollte. Man braucht weiterhin nicht viel, um glücklich zu sein. Es sind die einfachen Dinge. Nur unsere Einstellung zu diesen Dingen hat sich geändert. Schade eigentlich.“

Ein durchdringender Blick meiner Freundin.

„Und was genau hält dich davon ab, von Pfütze zu Pfütze zu springen?“ 

Was hält dich davon ab, deine Gewohnheiten zu ändern? Steh dir nicht selbst im Weg. Es ist doch reine Kopfsache. 

Die Füße baumeln. Die Lichter am Horizont verglühen. Abschlusshupen kommt vom Wasser.

So fühlt sich das richtige Maß an Distanz an.

Distanz, nicht etwa, um sich endgültig von einer Sache loszueisen. Sondern um danach gezielter an die Sache heranzugehen. Effizienter. Motivierter. Mit mehr Antrieb. Mit geklärtem Blick und Verstand.

Ich möchte nicht lügen, mich plagt gelegentlich durchaus die Befürchtung, dass ich nach meiner Pause nicht so durchstarten könnte, wie es dem Optimalfall entspräche.

Doch ich sehe auch ein, dass es schlichtweg nicht lohnenswert ist, sich diesen Zweifeln hinzugeben.

Schritt für Schritt an die Sachen heranwagen. Kleine Erfolge erzielen. Ein paar Cookies im Glas und die Sache läuft. 

Denn, wer steht dir noch im Weg, wenn du es nicht tust?

In der Regel: Niemand.


Autorin:

Audrey

Coucou, mein Name ist Audrey und ich bin eine aufgeweckte Medizinstudentin aus Freiburg!

Derzeit befinde ich mich ich im vierten Fachsemester Humanmedizin der Albert-Ludwigs-Universität. Ich bin unternehmungslustig, neugierig und nehme mich selbst meistens nicht allzu ernst. Hier schreibe ich ehrlich und ungeschönt über das Medizinstudium, das Studentenleben und so manches anderes.

Mach dir doch einfach dein eigenes Bild. Bis dann!

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