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Das richtige Maß II

Charlie Brown und Renate in Paris

Regentropfen an der Fensterscheibe des Reisebusses. Autobahnen. Straßenschilder, die anzeigen, wie viele Kilometer uns von der nächsten Großstadt trennen. Kilometer für Kilometer. Ja, wie viele denn? Wie viel Kilometer Abstand braucht es?

,,Na nutzt du deine Semesterferien gut?”

Eine Standardfrage, auf die ich standardmäßig mit einer Gegenfrage antworten würde: ,,Semesterferien? Was das denn bitte?”

Dann unterdrücke ich den Impuls und realisiere, dass ich das ja jetzt wirklich habe. 

Zugegebenermaßen, ein bisschen befremdlich fühlt es sich schon an, dass ,,Semesterferien” diesmal mehr als nur ein Füllbegriff für die vorlesungsfreie Zeit ist.  

Aber nein. Diesmal wirklich.

Die Wahrheit ist, anfangs wusste ich nicht so recht mit mir anzufangen. Mir fiel es schwer, Abstand von Studium und all jenem zu nehmen, in was ich mich sonst so hineinsteigere.

Ein Trip nach Paris sollte zeigen, dass selbst 540 Kilometer (und ein paar Zerquetschte) nicht zwingend ausreichen, um die nötige Distanz zu erlangen.

,,Die Vorstellung von mir, in einem Zug auf dem Weg nach Paris. Ein Buch auf dem Schoss. Keine Aufschriebe bei mir. Keine Lehrbücher. Kein Laptop, keine Skripte, keine Karteikarten. Und dann in der Stadt herumlaufen. Die Umwelt wieder wahrnehmen. Mal durchatmen. Pausieren.

Na gut. Man nenne mich eine Heuchlerin, denn Renate war auch mit dabei. Stets im Rucksack, sicher verwahrt neben meinem Tablet. Jedem das, was ihm Stabilität gibt.

Als wir auf der Durchreise in einer Hafenstadt feststecken, schlief meine Reisebegleitung auf meinem Schoß, während ich lernte. Nicht wirklich effektiv, aber es genügte mir als Zeitvertreib. Bereits nach zwei Uhr nachts war es und ich wachte über Tablet und Reisepläne. 

Eine enge Freundin von mir stellte einmal fest, wieso manche Mediziner gut als Reisepartner funktionieren. 

,,Weißt du Audrey, ums Studium machen wir uns immer super viel Sorgen. Aber alles andere, da sind wir total locker. Sorgenkompensation nennt man das.“ 

Es stimmt. Wir begegnen vielem mit einer ausgeprägten Lockerheit. Also sind wir die Letzten, die die Nerven verlieren, wenn auf einer Reise etwas schief geht. Einfach entspannt, einfach spontan, einfach improvisieren. Go with the flow

Eine Einstellung, die mitunter zum Backrezept einer erfolg- und erlebnisreichen Reise gehört.

Meine Pariser Reisepartnerin war zwar eine andere Freundin, dennoch galt dasselbe Motto.

Und während wir im Dunkeln an der Haltestelle saßen, sprach mich eine Mit-Wartende auf meine Lektüre an. Ich erfuhr von ihr, dass sie in Paris ein Geschäftsmeeting erwartete. Sie hatte mit der Reiseagentur telefoniert und war mehr als genervt von der Verspätung des Busses. Ich nickte stumm, musste mir aber auch ein Schulterzucken verkneifen.

Die Verspätung störte mich nicht so sehr. Dann nutze ich die Zeit einfach zum Lernen. Go with the Flow. 

Obwohl ich allem entspannt und ausgeglichen begegnete, war ich mir dessen bewusst, dass mir noch immer eine gewisse Distanz zum Studium fehlte.

Eine Erkenntnis, die sich verfestigte, als ich Tags drauf eine Charlie Brown-reife Flucht aus unserer Reiseunterkunft in vollzog, weil ich das Bedürfnis hatte loszurennen.

Charlie Brown, wir erinnern uns: „No problem is so big or so complicated that it can’t be run away from!“

Ursache des Fluchtinstinkts waren wohl gewisse Nachrichten und Mails, die mich selbst in Paris noch erreicht haben. Staatsexamen verschieben, Bürokratie, schöne diese. Eine To-Do-Liste, die ich lieber in Freiburg gelassen hätte. Hat nicht so ganz geklappt. Es stresste mich immerhin noch so viel, dass 540 km Abstand plötzlich nicht  mehr genügten. 

Ich zog  die Laufschuhe an und schulterte meinen Rucksack. Meine Reisebegleitung schlief, ich flüchtete.

Schwüles Klima, feuchtwarme Luft, dass einem die Haare kraus werden, denn es hatte den Tag über viel geregnet. Kreuzung für Kreuzung. Straße für Straße. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Zeit in Paris verbracht und die Struktur der Stadt verinnerlicht. Schneckenform, Helicotrema. Dennoch, Großstadt bleibt Großstadt. Ich würde mir nicht einbilden, mich genauestens auszukennen.

Was mich nicht davon abhalten sollte, mein Schrittempo zu beschleunigen.

So lernt man eine Stadt im Übrigen richtig kennen. 

Nicht das Paris, wie es sich präsentieren will. Porzellanweiß, chic, Touri-Magnet.

Eher viele Vororte, Müll auf der Straße, Armut an den Straßenecken. 

Vielleicht hat sich mein Blick durch das Ehrenamt auch verändert. Meine Chefin meinte, dass das häufig passiere. 

Die Wohnungslosen schliefen neben Ampeln und verkauften Obst auf provisorischen Klapptischen. An zahlreichen Straßenkreuzungen.

Ich verlief mich. Kaum Akku. Kein Internet. Im Rucksack nur Renate und eine Zahnbürste. Ich blieb ruhig. Lief noch ein bisschen weiter. Vielleicht testete ich eine Grenze aus. Wahrscheinlich tat ich das.

Irgendwann fragte ich eine Pariserin um Rat. Die Falsche, wie sich herausstellen sollte, denn sie navigierte mich in die verkehrte Richtung. 540 km und ein paar Zerquetschte mehr. Ich blieb ruhig. 

Hohe Häuser ragten in den Horizont. Mal war der Himmel eher rötlich, mal eher blau. Fließende Übergänge. Methylenblau oder Anilinblau? Was, wenn sich der Himmel histochemisch nach Stimmung anfärben ließe? Positive oder negative Energie, je nachdem, was in Paris gerade los ist?

Renate im Rucksack, müde Füße, stieg mir die Hitze wohl zu Kopf.

Zufällig hatte ich an einem Gebäude Uni-Wlan (Eduroam) und konnte mir so die richtige Karte herunterladen.

40 min Getrabe später war ich wieder in der Unterkunft.  Müde Füße, viele Kilometer zurückgelegt.

Und doch war das richtige Maß an Distanz noch nicht erreicht.

                       

Erst bei der nächsten Busfahrt wagte ich einen Blick auf die Erledigungen, die mich in Freiburg erwarten würden.

.LPA
Bis zu einer gewissen Frist (in dem Fall 1. August 2022) kann man sich ohne Angabe eines Grundes beim LPA (carsten.kazmeier@rps.bwl.de) vom M1 abmelden.  Dabei sollte man  allerdings das Dekanat ins CC setzen. Im Laufe der nächsten Tage bekommt man dann seine Unterlagen zurückgeschickt. Zudem bekommt man ein einseitiges Schreiben zugesendet, welches man für die nächste Anmeldung beim Lpa sicher verwahren sollte.

.Persönliche Tipps unserer Studiendekanin:

  • Für das nächste Semester wie üblich auf Hisinone zurückmelden und den Semesterbeitrag überweisen. 
  • Erstmal eine Verschnaufpause gönnen und sich ausreichend Zeit zum regenerieren nehmen
  • Es sei sinnvoll, zu gegebener Zeit den Wiedereinstieg zu planen und sich eine Struktur in Form von Lerngruppen/Lernplänen zu schaffen, damit man in aller Ruhe die Themen durcharbeiten kann.

Außerdem wurde die Möglichkeit genannt sich in die Anatomie Vorlesung des 1. Semester hineinzusetzen, um einen entspannten Start in den Tag zu haben.

Ob man das unter Entspannung versteht, darf jeder für sich selbst entscheiden, aber es bietet auf jeden Fall Struktur.

.Für die Physiologie-Nachschreiber/Schieber gilt:  Man sollte sich rechtzeitig bei dem zuständigen Professor zur Physiologieklausur anmelden, wobei es sich empfehlen würde, dafür auch (wieder) in die Zusatz-VL zu gehen.

.M1 Frühjahr: Bis Anfang Januar sollte man sich wieder zur M1 anmelden, alle nötigen Unterlagen versenden und sich sowohl beim LPA, als auch auf HisinOne anmelden.

Doch auch für das M1 im Frühjahr wird es eine Infoveranstaltung geben.

Inwiefern die zweite Anmeldung weniger umständlich als die erste ist und welche Art von Repetitorien für die Frühjahreskandidaten angeboten werden, das gilt es herauszufinden. 

Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, ob man an der Uni ein sogenanntes Urlaubssemester anmeldet, was sowohl für Bafög-Bezieher, Stipendiaten und/oder Arbeitstätige (bzw. Mini-Jobber) wichtige Konsequenzen hat.

Im Ernstfall kann man sich berührt Fragen an folgende Stellen wenden:

-stufi@swfr.de

-sozialberatung@swfr.de

Für mich ging mit den Städtetrips auch die Suche nach dem richtigen  Maß an Distanz weiter.Ich sollte lernen, dass es neben go with the flow und no problem is so big or so complicated that it can’t be run away from!  ja womöglich noch ein spannenderes Lebensmotto gibt.


Autorin:

Audrey

Coucou, mein Name ist Audrey und ich bin eine aufgeweckte Medizinstudentin aus Freiburg!

Derzeit befinde ich mich ich im vierten Fachsemester Humanmedizin der Albert-Ludwigs-Universität. Ich bin unternehmungslustig, neugierig und nehme mich selbst meistens nicht allzu ernst. Hier schreibe ich ehrlich und ungeschönt über das Medizinstudium, das Studentenleben und so manches anderes.

Mach dir doch einfach dein eigenes Bild. Bis dann!

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