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BU bis zu welchem Alter?

Augen auf: Bis zu welchem Alter sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen und in welcher Höhe?

Immer mal wieder wird die Frage aufgeworfen, ob man die BU-Versicherung denn nicht auch kürzer, z.B. nur bis zum 65. oder gar zum 60. Lebensjahr abschließen könne. Hintergrund ist nicht völlig überraschend zumeist der Preis.

Zum Vergleich BU für Ärzte

Oft genug kommt der Autor zu folgender Einschätzung. Es geht der/dem Interessenten/in einerseits völlig nachvollziehbarer Weise darum diese „BU-Sache“ hinter sich zu bringen, jedoch ist gelegentlich folgende Anwandlung zu beobachten. Ziel – bei sonst geringen Kenntnissen – ist der niedrigst mögliche Preis bei gleichzeitiger Gewissensberuhigung. Wenn wir an dieser Stelle sind, ist das Vertrauen des Autors in seine/n Interessentin/en auf dem absoluten Nullpunkt. Dafür gibt es Check24, Verivox und tausende von Vermittlern, die dem Spruch „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ nach Ihre tagtägliche Arbeit gestalten.

Motto des Autors: Richtig oder gar nicht.

Warum? Abgrenzung zu dieser Person: https://de.wikipedia.org/wiki/Billiger_Jakob

Was bedeutet eine Absicherung bis 65?

Wenn Sie eine Spielernatur wären, was würden darauf wetten, dass das derzeitige Renteneintrittsalter von 67 Jahren nicht über die nächsten 3 oder 4 Jahrzehnte gehalten werden kann?  Heißt, die heutigen Berufseinsteiger würden stattdessen bis 69 oder länger arbeiten müssen. Gehen wir aber nur mal davon aus, dass es tatsächlich bei 67 bleibt.

Es gibt 2 Effekte:

  1. Alle BU-Fälle nach Vollendung des 65. Lebensjahr kosten die BU-Versicherung genau 0,00 Euro. Mit anderen Worten: Versicherung kann sich freuen, Arzt/Ärztin geht leer aus.
  2. Alljene die vorher berufsunfähig werden, erhalten nur bis zum 65. Lebensjahr BU-Rente und haben entweder 2 Jahre lange kein Einkommen oder müssen mit erheblichen Abschlägen leben. Im Ergebnis kommen hier leicht einige zehntausend Euro Lücke in der Altersrente zusammen. Das Problem verschärft sich bei einer nicht unwahrscheinlichen Erhöhung des zukünftigen Renteneintrittsalters. Arbeiten bis 69 oder 71? Keine Illusion.

Ein praktisches Beispiel:

Ein 55-jähriger Oberarzt wird berufsunfähig und hat zu diesem Zeitpunkt Dank der Dynamisierung 4.000 Euro BU-Rente abgesichert. Der Wert ist absichtlich niedrig gewählt, weil meiner Branche nicht ganz zu Unrecht gelegentlich „das Klappern mit dem Sargdeckel“ nachgesagt wird. Das genannte Lebensalter fällt in die Altersgruppe des sogenannten Hochrisikoalters für BU-Fälle.

4.000 Euro entsprechen 48.000 Euro im Jahr, was in den 2 Jahren ohne BU-Schutz (zwischen 65 und 67) einen (wie beschrieben niedrig geschätzten) Unterschiedsbetrag von 96.000 Euro. Zu den 96.000 Euro kommen noch etliche tausend Euro hinzu, weil ja der Versicherer die 4.000 Euro BU-Rente während des Bezuges auch noch Jahr für Jahr erhöht.

Der Beitrag für die BU-Versicherung ist bei Endalter 65 statt 67 meist zwischen 13 und 18% günstiger. Nehmen wir der Einfachheit halber an, der Kunde hat mit 30 die BU-Versicherung gemacht und durchschnittlich einen Beitrag von hochgegriffenen 150 Euro bezahlt. 15% von 150 Euro sind 22,50 Euro pro Monat.

Dies nun mit 12 Monaten und 25 Jahren multipliziert ergibt einen Wert von 6.750, die verteilt über die benannten 25 Jahre (30. Lebensjahr bis 55.) bezahlt wurden. Nun sollte jede/r Arzt/Ärztin selbst entscheiden, ob die hochgegriffenen 22,50 Euro/Monat die Inkaufnahme einer 100.000 Euro+ Lücke rechtfertigen.

Nun gibt es Umstände, die dazu führen, dass man die BU später tatsächlich nicht mehr braucht – z.B. ein großes Erbe (niemals vorab zu viel einplanen, wenn es nicht vollkommen geklärt ist) oder ein Lottogewinn oder ein ausgewöhnlich erfolgreicher sonstiger Vermögensaufbau. In diesen Fällen können Sie die BU-Versicherung ggf. vorzeitig beenden oder reduzieren.

Wer jedoch umgekehrt von vorherein davon ausgeht, dass diese Fälle eintreten, ist betreibt sein ganz eigenes Glücksspiel mit relevant hohem Einsatz. Verantwortungsvolles selbstbestimmtes Risikomanagement sieht – da sind wir uns einig – anders aus.

Fazit zum Alter:

+++ BU-Versicherung immer bis 67 abschließen. +++

Wie hoch sollte die BU-Rente sein?

Was bedeuten 1.500 Euro BU Rente?

Ihr Einkommen: 2.662,94 Euro Netto ohne Dienste, inkl. 903,10 Euro/Monat ans ärztliche Versorgungswerk (451,55 € Arbeitnehmer + 451,55 € zahlt die Uniklinik) –> aktuelle in 2019 –> Gehaltsrechner für den Öffentlichen Dienst

Im BU-Fall fehlen nach Ablauf der Lohnfortzahlung (43 Tage) des Arbeitgebers und auslaufen des Krankentagegeldes (meist nach wenigen Monaten, gesetzlich max. 72 Wochen, was seltenst erreicht wird) fehlen nicht nur die 2.662 Euro, es wird auch nichts mehr in das Versorgungswerk einbezahlt und somit keinerlei Rentenanspruch aufgebaut. Die Finanzierungslücke beträgt nun also mehr als 3.500 Euro und das ist noch sehr optimistisch. Die Betrachtung berücksichtigt nicht:

  • Die Zusatzversorgung VBL, welche die Rente aus dem Ärztlichen Versorgungswerk aufstocken soll – Leistungen Arbeitnehmer 1,41% des Einkommens und die des Arbeitgebers 6,45%.
  • Die Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge, die ja im Bruttolohn (hier 4.703,91) schon enthalten sind.
  • Jetzt schon feststehende Gehaltssteigerungen. Viele Fachärzte werden heutzutage rasch Oberärzte (derzeitiges Durchschnittgehalt > 10.000 Euro brutto pro Monat) oder gehen in die u.a. finanziell noch aussichtsreichere ärztliche Niederlassung.

Was nun passiert, wenn eine BU eintritt und 1.500 Euro abgesichert sind:

  • Wie schon im Artikel Wie viel wird von der BU-Rente noch abgezogen? – Steuern, Krankenversicherungen, Rentenbeiträge beschrieben, gibt es bei der BU-Rente noch Abzüge. Das Einkommen ist steuerpflichtig und in vielen Fällen unterliegt es Pflichtbeiträgen der gesetzlichen Krankenkasse und Pflegepflichtversicherung.
  • Bedeutet: bei 15,5% Krankenkassenbeitrag inkl. Zusatzbeitrag + Pflege 3,05% (steigt 2020 wieder) bleiben von 1.500 Euro BU-Rente noch 1.221,75 Euro Netto-BU-Rente (wenn es auf Grund des niedrigen Betrages zu keiner Steuerlast kommt)

Das ergibt eine Finanzierungslücke von über 2000 Euro pro Monat, 24.000 Euro Jahr und 240.000 Euro innerhalb 10 Jahren – nur gerechnet auf das Einkommen eines Assistenzarztes im ersten Jahr ohne jegliche Dienste.

Was vielleicht so kurz nach dem Studium noch unvorstellbar ist: Die Ausgaben der Lebenshaltung steigen deutlich über das Maß der vorangegangenen Jahre. Über kurz oder lang steigen die Kosten für’s Wohnen (vielleicht auch mal eine eigene Immobilie), es wird andere und mehr Kleidung gekauft, die wohlverdienten Urlaube haben ein völlig anderes Budget. Später kommen gegebenenfalls Kinder dazu, das Eigenheim, vermietete Immobilien für einen später gut abgesicherten Ruhestand.

Fazit zur geeigneten Rentenhöhe:

Solange Sie einen mögliche BU-Fall nicht ganz oder teilweise aus eigenem Vermögen schultern können, versichern Sie eine möglichst hohe BU-Rente. Vergessen Sie dabei Zauberformeln wie die der Finanztester „80% vom Netto“. Das ist schon deswegen unsinnig, weil das Netto nicht zuletzt von Ihren derzeitigen steuerlichen Verhältnissen abhängt, die sich jederzeit ändern können (Kinder, Hochzeit, Scheidung, Tod eines Familienangehörigen). Es ist immer die individuelle Situation zu bewerten und in sinnvolle Handlung umzusetzen.

Schlussworte

Und nun wird sehr wahrscheinlich klar, warum das Motto „Ganz oder gar nicht“ gewählt wurde, aber umso mehr für Dich als BU-Interessent eine besondere Bedeutung hat. Andernfalls wurde die Themen Risikomanagement und nachhaltige Finanzplanung wohl noch nicht zu 100% durchdrungen. So oder so, ich wünsche viel Spaß mit den hoffentlich gut verwertbaren, neuen Erkenntnissen!

Autor: Michael Schreiber

Berater für Ärzte

Meinen Service leiste ich vor Ort in meinem Freiburger Büro und via Onlineberatung. Mehr über mich erfahren Sie in der Rubrik ‚Über Michael Schreiber‚.