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Verzweifelte Studenten packen sich an den Kopf

Modul 3 Teil 4: Samantha, nicht den Kopf verlieren

Es klingelt an der Haustür. Vor Schreck werfe ich beinahe meine Lernsachen um. Ich eile in das Treppenhaus und gerate in ein Art Nachbarschaftstreffen. Der Postbote überreicht einem meiner Nachbarn eine Reihe von Paketen, die dieser an die Versammelten umverteilt. 

Beinahe verwechselt er mein Paket mit dem einer älteren Nachbarin. 

Ich muss schmunzeln, als ich mir vorstelle, wie sie meines geöffnet hätte. Sie hätte wohl einen ziemlichen Schrecken bekommen. ,,Jep, das Paket in das ein Kürbis passen würde, das ist meins. Danke.”

Lachend hüpfe ich die Treppen hinunter in meine Wohnung. 

Kaum habe ich die Wohnungstür hinter mir verschlossen, krame ich mein Handy heraus. 

,,Meine Lieben, ich glaube Samantha ist angekommen.”, tippe ich.

Das Paket ist tatsächlich ziemlich groß. Ich öffne den Karton und zum Vorschein kommt eine grüne Schleife. 

Wieder muss ich schmunzeln. Genau mein Humor. 

Mich hat soeben ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk erreicht. Dank extra schnellem Versand noch rechtzeitig vor dem Testat. Das Geschenk habe ich einem Freund der Familie zu verdanken, der sich mit meiner Mutter zusammengetan hat.

In dem Moment bin ich wieder voller guter Laune. Doch keine zwei Tage vorher, da bin ich mit einem wahnsinnig hohen Stresslevel aus dem Histologiegebäude gegangen.  Die spontane Abfrage hatte mich doch mehr verschreckt, als ich gerne gehabt hätte.

Könnte es eine doofe Idee sein? Brauche ich das wirklich? 

Die vom Nachbartisch hatten alle einen. Eigentlich hatten wir darüber gescherzt. Dann war ich abgefragt worden. Die anderen hatte der Dozent teilweise ebenfalls in die Mangel genommen. Auch sie waren verschreckt. ,,Ja habt ihr denn nicht alle einen Zuhause?”, hatte der Hiwi gefragt. ,,Eh, kannst du das mal bitte nicht so selbstverständlich fragen?”, hatte ich erwidert, wenn auch mit einem belustigten Unterton. Merkste selber, oder?, habe ich mir nur gedacht. 

Den Formalinduft womöglich noch in den Haaren, war ich im direkten Anschluss in die Stadt gefahren. Zwei Punkte hatte ich auf dem Plan. Der erste bestand darin, mir die Lernkarten zu kaufen, die ich mir im vorherigen Modul online bestellt hatte. Die dritte Kartensammlung enthielt Karten passend zu dem dritten und vierten Modul.

Das heißt, auch wenn ich sie mir erst kurz vor dem dritten Testat gekauft hätte, würden sie noch einen Zweck in der darauffolgenden Zeit erfüllen.

Ich war insgesamt in drei Buchhandlungen. Fazit: die dritte Version der Lernkarten war überall ausverkauft. Der eine Verkäufer antwortete auf meine Anfrage nur entnervt ,,Ja Sie sind weiß Gott nicht die erste heute. Ich kann Ihnen nur dasselbe sagen, wie den zahlreichen anderen diese Woche: wir haben sie bereits vor zwei Wochen beim Verlag nachbestellt. Wir wissen auch nicht, wie lange es noch dauert, ja?”

Da die Abfrage des Dozenten noch keine zwei Stunden zurücklag, war ich noch nicht moralisch gefestigt genug, um mich von dem Verkäufer anfahren zu lassen. 

Dennoch wandte ich mich, wenn auch ein wenig eingeschüchtert, mit meinem zweiten Punkt an ihn.

,,Ja sowas haben wir da. Allerdings nur die-”, sein Tonfall triefte vor Spott, ,,Pjler-Version. Die nennen wir so, weil der der günstige ist.”

Ich begutachtete das Exemplar. Es mag sein, dass ich mittlerweile ein gewisses Anlagevermögen in Form von Lernutensilien besitze. Dennoch entschied ich mich dafür, mich erst im Internet über alternative Exemplare zu informieren, bevor ich eine Entscheidung traf. Tatsache ist nämlich, dass der ,,Pjler” alles andere als preiswert ist.

Ich zog einen Bekannten zu Rate. Gemeinsam machten wir uns schlau.

,,Ich werde sie ‘Samantha’ nennen.”, verkündete ich aus einer Stimmung heraus, während wir vor dem PC saßen.

Grüne Schleife, grauer Geschenkbeutel. Ich öffnete den Beutel.

Wieder kramte ich mein Handy heraus und schrieb meinen Freunden.

,,Darf ich vorstellen: Samantha. Samantha freut sich uns bald ins Parlatorium begleiten zu dürfen.”

Die Antworten schneiten herein. ,,Hallo Samantha, wir freuen uns bald Bekanntschaft mit der entzückenden Schädelin zu machen.”

Tatsächlich würde uns Samantha bald schon regelmäßig in die UB begleiten.

Preis-Leistungs-Verhältnis:

Der Schädel, den wir erworben hatten, hat in etwa 40 EUR gekostet. Am Schädel sind 60 Öffnungen annotiert. Die Ziffern lassen sich auch mit etwas Aceton entfernen, wenn man die Annotierung den eigenen Anforderungen anpassen möchte. Der Schädel ist dreiteilig. Die Mandibula lässt sich abnehmen, sie ist mit einer kleinen Feder befestigt. Die Schädeldecke lässt sich abnehmen, sodass der Blick auf die innere Schädelbasis und wichtige Aus/Eintrittsstellen frei wird. 

Für 40 EUR bekommt man ein absolut zufriedenstellendes Präparat.

Der Pjler hätte etwa 80 EUR mehr gekostet. Der Spott des Verkäufers war absolut unangemessen. 

Wie nutzt man ihn am besten?

Ich habe mir meistens den Atlas meines Vertrauens geschnappt und eine Nadel mit Faden durch die Öffnungen gesteckt, um mir die Verläufe der Strukturen optimal einzuprägen. Sicher kann man auch einen Pfeifenputzer benutzen, wenn man denn die Vorliebe meines Dozenten teilt.

Geholfen hat mir im übrigen das große Schädelplakat, welches ich damals in meiner Ersti-Tüte hatte. Das kann ich wirklich empfehlen, da dort alle wichtigen Informationen übersichtlich zusammengestellt sind.

Darauf habe ich den Fokus gelegt:

– Übersichten zu den vier großen Kopfganglien; wenn man die beherrscht, dann wird die Beantwortung von Fragestellungen wie z.B. zur Innervation von Drüsen oder Aneinanderlagerung von Hirnnerven deutlich leichter

– Die Unterscheidung und der Verlauf der drei Petrosusnerven

– Die Kommunikation von den Fossae

– Die Foramina, die mein Dozent besonders häufig erwähnt hat (Canaliculus tympani!)

– Die Hirnnerven

Bevor wir den Kauf getätigt haben, wurden natürlich ordentlich Alternativen abgewogen.

Mit meinen Tischkollegen überlegte ich, ob es nicht simpler wäre, einfach jemanden umzulegen. Wir kamen zu dem Schluss, dass es zu anstrengend und zudem zeitaufwendig sei, da man ja mit der Präparation von vorne beginnen müsste. ,,Boah, ne. Überleg dir mal das ganze Fett, dass du dann wieder entfernen müsstest!”, sagte eine Kommilitonin dazu.

Also keine gute Idee.

Im Internet stießen wir auf die merkwürdigsten Verkaufsobjekte.

Besonders bizarr erschien uns dabei, ein Modell, bei welchem man die mimischen Muskeln nachvollziehen konnte. 

Ich denke nicht, dass man das braucht. Allerdings faszinierend, dass man soetwas kaufen kann.

Ich sage auch nicht, dass man zwingend einen Schädel braucht. Aber, wenn man gerne etwas Greifbares beim Lernen dabei hätte, dann bietet sich der Erwerb dieses außergewöhnlichen Dekostücks sicherlich an.

Ich nahm Samantha in einem Karton in meiner Tasche mit. Auch wenn der Schädel aus relativ robustem Material zu bestehen scheint, wollte ich dennoch nichts riskieren.

Einmal stattete ich meiner Familie vor einem Lerntreffen einen Besuch ab und vergaß dabei die Schädeldecke im Zimmer meiner Schwester.

Wie sagt man doch so schön? ,,Wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre, dann würde ich ihn auch noch vergessen.“

In dem Sinne: Nicht den Kopf verlieren.


Autorin:

Audrey

Coucou, mein Name ist Audrey und ich bin eine aufgeweckte Medizinstudentin aus Freiburg!

Derzeit befinde ich mich ich im vierten Fachsemester Humanmedizin der Albert-Ludwigs-Universität. Ich bin unternehmungslustig, neugierig und nehme mich selbst meistens nicht allzu ernst. Hier schreibe ich ehrlich und ungeschönt über das Medizinstudium, das Studentenleben und so manches anderes.

Mach dir doch einfach dein eigenes Bild. Bis dann!

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