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fairr garantierter Rentenfaktor my life

fairr Riester und der in Ausnahmefällen garantierte Rentenfaktor

​In der Community von finanztip wurde ich gefragt, ob denn fairr Riester wirklich keinen garantierten Rentenfaktor hat. Nun, das ist meine Antwort.

Einst dachten sich sehr viele Menschen, dass sie bei Ihrem aktuellen Anbieter schlecht aufgehoben sind und sie wechselten mit dem guten Gefühl – schließlich haben Tenhagen und co. es wärmstens empfohlen – zu fairr – Riester und von nun an schlief es sich mit dem neuen Vertrag gleich viel besser. Aber halt, hat nicht der gleiche Tenhagen 10 Jahre zuvor im Kleid von Finanztest – Stiftung Warentest schon den Union Investment Riester empfohlen? Und nun als leitender Angestellter von Finanztip? Komisch. Aktuell ist der fairriester voll rein gelaufen in die Cash-Lock-Falle, aber das soll Thema eines anderen Artikels sein. Seid gefasst, der Aufschrei ist schon jetzt riesig. Ein Ende? Nicht in Sicht. Thema hier ist der garantierte Rentenfaktor von fairr/Sutor Bank durch die My Life Lebensversicherung.

​Der garantierte Rentenfaktor ist leider nur ein Werbegag und ich begründe auch gleich warum. Doch zuvor zur Ehrenrettung: Ja, fairr hat einen garantierten Rentenfaktor, den z.B. Union und DWS nicht haben. Zudem sind die garantierten Rentenfaktoren der allermeisten Anbieter einfach nur Papiertiger und eher theoretischer als praktischer Natur. 

Der Riester-Anbieter fairr (=Sutor Bank + My Life) stand hier auf dieser Seite schon mehrfach im Kreuzfeuer und es wurde intensiv gewarnt:

Die Gründe warum der bei fairr garantierte Rentenfaktor ein Werbegag ist:

  1. Bei einer Verschiebung des bei Vertragsabschluss vereinbarten Auszahlungsbeginns, ist der bei Abschluss des Altersvorsorgevertrages garantierte Rentenfaktor nicht mehr maßgebend, sondern es wird (auf Basis der dann gültigen Rechnungsgrundlagen) ein neuer Rentenfaktor berechnet. Es wird zwar für unterschiedliche Renteneintrittsalter der Rentenfaktor angezeigt, man muss dieses Alter aber zu Vertragsbeginn festlegen. Bei einer späteren Änderung, gilt der einstmals festgelegte garantierte Rentenfaktor nicht mehr.
  2. Bei Änderung der Art der Hinterbliebenenversorgung ist der bei Abschluss des Altersvorsorgevertrages garantierte Rentenfaktor nicht mehr maßgebend, sondern es wird (auf Basis der dann gültigen Rechnungsgrundlagen) ein neuer Rentenfaktor berechnet.
  3. Wählt man anstelle der sofortbeginnenden Rente der My Life zu Rentenbeginn den Auszahlungsplan über die Bank, was zumindest aus heutiger Sicht sehr attraktiv erscheint, entfällt das Thema garantierter Rentenfaktor ebenfalls. In dem Fall gibt es Auszahlungen bis zum 85. Lebensjahr und erst dann wird das Geld dem dann aktuellen Versicherungspartner gegeben zur Verrentung über die restliche Lebenszeit. !Wichtig! Es muss aber zum Rentenbeginn festgelegt werden wie viel vom gebildeten Kapital zurückbehalten werden muss, um für das sehr lange Leben gerüstet zu sein. Schon DWS und Union haben sich in den 00-Jahren verzettelt. Zunächst kalkulierte man mit 10.000 von 100.000 Euro, was sich schließlich fast verdreifachte auf 28.000 Euro.

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Man sollte bei einem Vertrag, der noch 30 oder 40 Jahre geht doch ein klein wenig Flexibiliät und verbundene Sicherheit erwarten können – zumal die von My Life in Aussicht gestellten erwarteten Rentenfaktoren völlig illusorisch sind und somit vor allem auf die Garantie zu blicken ist. ​

Wenn also wie im Berechnungsbeispiel aus welchen Gründen auch immer nicht zum 01.04.2046 in Rente gegangen, wird auf Grundlage der dann existierenden (schlechteren) Rechnungsgrundlagen kalkuliert. Bei solchen späteren Änderungen werden auf Grund erheblicher Änderungen in der Sterbetafel erfahrungsgemäß große Geschütze aufgefahren. D.h., die Herabstufung der Rente erfolgt mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen 2-stelligen Prozentwert.

Was die Gründe sein können für eine Verschiebung des Renteneintritts:

  • Änderung des gesetzlichen Renteneintrittsalters – Für wie wahrscheinlich haltet Ihr es, dass 67 auch in drei oder vier Jahrzehnten noch das gesetzliche  Renteneintrittsalter repräsentiert und nicht 69 oder 71? Oder gibt es gar die längst fällige Flexibilisierung? Gehe ich auch nur einen Monat früher oder später in Rente als vor Jahrzehnten festgelegt, verliere ich meinen garantierten Rentenfaktor.
  • Der individuelle berufliche Weg – es ist heute im Berufsleben so gut wie nichts mehr in Stein gemeißelt. Das ist im Grunde jedem klar. 40 Jahre bei der selben Firma, im exakt gleichen Beruf und dann Rente ist eine inzwischen sehr exotische Ausnahme. So kann sich auch heute schon viele Menschen sehr gut vorstellen, dass auch noch nach Vollendung des 67. Lebensjahres weiter gearbeitet wird – halt solange es Spaß macht oder aus anderen Gründen sinnvoll ist.
  • Berufs-/Erwerbsunfähigkeit – in dem Fall werde ich sehr wahrscheinlich früher meine Riesterrente in Anspruch nehmen wollen, allein schon weil nicht wenige gesundheitliche Beeinträchtigungen mit einem kürzerem Leben einhergehen. Erwerbsgeminderte beziehen zudem vor gesetzlich vorgesehenem Renteneintrittsalter die Altersrente.

Jetzt wird sich der ein oder andere fragen: „Aber warum denn nicht trotzdem die Kohle einfach mit ​67 nehmen, damit der garantierte Rentenfaktor erhalten bleibt?“ 

Nun, bei BU stellt sich die Frage nicht. Wenn man auf Grund eigenem Willen oder gestiegenem Renteneintrittsalter später in Rente geht und dann trotzdem schon Riesterrente erhält, ergibt sich sehr wahrscheinlich ein deutlich höherer Steuersatz auf die voll zu versteuernde Riesterrente, weil natürlich das Arbeitseinkommen die Steuerprogression entsprechend anschiebt. Erschwerend hinzu käme: man würde auf Steuervorteile und den Genuß der Riesterzulage verzichten, wenn man den Beginn der Auszahlung der Riesterrente nicht nach hinten verlegt. Deshalb macht eine in der Tiefe der Bedingungen wirklich flexible Riesterrente mehr Sinn als eine schöne Kulisse.

Apropos Kulisse. Interessant ist auch die Darstellung auf der fairr-Website. Ja, es wird – man muss es so feststellen – ein Stück weit getrickst wird.

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